Organisation

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Or|ga|ni|sa|ti|on [ɔrganiza'ts̮i̯o:n], die; -, -en:
1. <ohne Plural>
a) das Organisieren:
eine reibungslose Organisation; die Organisation eines Gastspiels übernehmen.
Zus.: Arbeitsorganisation.
b) innere Gliederung (einer Institution o. Ä.):
die Organisation der Polizei.
Syn.: Aufbau, Gefüge, Struktur, Zusammensetzung.
2. Gruppe, Verband mit bestimmten Aufgaben, Zielen:
die politischen Organisationen; einer Organisation angehören.
Syn.: Vereinigung.
Zus.: Hilfsorganisation, Selbsthilfeorganisation, Untergrundorganisation, Verbraucherorganisation.

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Or|ga|ni|sa|ti|on 〈f. 20
I 〈unz.〉
1. das Organisieren
2. planmäßiger Aufbau, Ordnung, Gliederung, Struktur
3. 〈Biol.〉 Aufbau u. Tätigkeit der Organe, System des lebenden Organismus
● alles ist nur eine Frage der \Organisation; die \Organisation eines Unternehmens; die \Organisation war gut, schlecht
II 〈zählb.〉 zweckbestimmte Vereinigung, Zusammenschluss von Personen mit bestimmter Zielsetzung ● die innere Struktur einer \Organisation; einer \Organisation angehören, beitreten; eine \Organisation gründen, aufbauen; karitative \Organisationen; in einer \Organisation mitarbeiten
[frz.]

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Or|ga|ni|sa|ti|on , die; -, -en [frz. organisation, zu: organiser, organisieren]:
1. <o. Pl.> das Organisieren (1):
eine reibungslose O.;
ihr oblag die O. der Veranstaltung;
das ist alles nur eine Frage der O.
2. der Funktionstüchtigkeit einer Institution o. Ä. dienende [planmäßige] Zusammensetzung, Struktur, Beschaffenheit:
die O. der Polizei.
3.
a) das [Sich]zusammenschließen zur Durchsetzung bestimmter Interessen, Zielsetzungen:
die O. der Arbeiter;
b) einheitlich aufgebauter Verband, Zusammenschluss von Menschen zur Durchsetzung bestimmter Interessen, Zielsetzungen o. Ä.:
eine internationale O.;
eine O. gründen, verbieten.
4. (Med.) selbsttätige Umwandlung abgestorbenen Körpergewebes in gesundes Gewebe.

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Organisation
 
[französisch] die, -/-en,  
 1) allgemein: 1) ohne Plural, funktionsgemäßer Aufbau, planmäßige Gestaltung (einer Handlung, eines Prozesses, eines Sach- oder Naturbereichs); 2) arbeitsteiliger Zusammenschluss von Menschen zur Vertretung gemeinsamer Interessen und zur Erreichung gemeinsamer Ziele.
 
 2) Wirtschafts- und Sozialwissenschaft: einerseits die Gesamtheit der Vorgänge des ordnenden Gestaltens, andererseits das Ergebnis dieser Vorgänge selbst. Speziell werden zielgerichtete soziale Systeme, in denen Menschen und Objekte dauerhaft in einem Strukturzusammenhang stehen (institutionaler Organisationsbegriff), ferner die Regeln, welche das Handeln in solchen Systemen festlegen (instrumentaler Organisationsbegriff), und schließlich die Tätigkeit des Gestaltens derartiger Systeme (funktionaler Organisationsbegriff) als Organisation bezeichnet.
 
Gegenstand der Organisationstheorie ist die Beschreibung, Erklärung und Gestaltung dieser drei Phänomenbereiche. Die Vielschichtigkeit des Gegenstandsbereichs erfordert eine interdisziplinäre Ausrichtung der organisationstheoretischen Forschung. Mit organisationstheoretischen Fragestellungen befassen sich besonders die betriebswirtschaftliche Organisationslehre, die Organisationssoziologie und die Organisationspsychologie, wobei auch Erkenntnisse aus Volkswirtschaftslehre, Informatik, Rechtswissenschaft, Ingenieurwissenschaft, Mathematik, Individualpsychologie, Kulturanthropologie und Medizin berücksichtigt werden. Aufgrund des breit gefächerten Erkenntnisinteresses und so eines jeweils unterschiedlichen Vorverständnisses (Paradigma) hinsichtlich der wesentlichen Merkmale von Organisationen stellt sich die Organisationstheorie trotz vereinzelt nachzuweisender Integrationsbemühungen als ein insgesamt nicht geschlossenes, wenig strukturiertes Gebiet dar.
 
In der betriebswirtschaftlichen Organisationslehre wird Organisation als ein System formaler, unpersönlich geltender Regelungen zur zielgerichteten Steuerung betrieblichen Handelns verstanden. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Konstruktion sachlich-rationaler Sollkonzepte zur Regelung des zielgerichteten Zusammenwirkens von Menschen und Sachmitteln unter den Gesichtspunkten technisch-ökonomischer Effizienz und Effektivität. Entsprechende Gestaltungsmaßnahmen betreffen einerseits die Bildung und Koordination aufgabenteiliger, funktionsfähiger Teileinheiten (Aufbauorganisation), andererseits die raumzeitliche Strukturierung von aufgabenbezogenen Arbeits- und Bewegungsvorgängen (Ablauforganisation). Die organisatorische Gestaltung basiert auf einer vorhergehenden Zerlegung der Gesamtaufgabe in Teilaufgaben (Analyse-Synthese-Konzept).
 
Die aufbaubezogene Gestaltung, die Aufbauorganisation, bezieht sich auf die Aufgaben- und die Rollenstruktur sowie die hierarch. und die kommunikative Dimension der Organisationsstruktur. Die Aufgabenstruktur repräsentiert die Zusammenfassung von Teilaufgaben zu Aufgabenkomplexen nach sachlichen, formalen, sachmittelbezogenen, personalen, räumlichen oder zeitlichen Kriterien (Stellenbildung). Die Rollenstruktur bezieht sich auf die Übertragung von Aufgaben auf die Aufgabenträger und die damit verbundenen Verhaltenserwartungen (Stellenbesetzung) sowie deren Zusammenfassung zu Leistungseinheiten höherer Ordnung in Gestalt von Gruppen oder Abteilungen. Die durch Über- und Unterordnung über Instanzenbildung geschaffene hierarch. Struktur (Leitungssystem) realisiert die vertikale Weisungs- und Berichtskette. Diese wird unterstützt durch die Kommunikationsstruktur, die der Regelung der Kommunikationsbeziehungen zwischen organisatorischen Teileinheiten dient. Die Ablauforganisation betrifft die Regelung des raumzeitlichen Prozessgefüges der Aufgabenerfüllung. Die Abstimmung der Aktivitäten umfasst die Festlegung von Inhalten, Reihenfolge, Zeitdauer und kalendarischen Zeitpunkten der Teilaufgaben. Die räumliche Komponente präzisiert die Teilaufgaben hinsichtlich Arbeitsbereich, -weg und -ort. Bei der Gestaltung formaler Organisationsstrukturen ist ein angemessenes Verhältnis von Entscheidungsautonomie und Standardisierung anzustreben, um die dysfunktionalen Folgen einer Unter- oder Überorganisation zu vermeiden.
 
Das betriebswirtschaftliche Modell der formalen Organisationsstruktur ist weitgehend von einem Menschenbild geprägt, das in den Organisationsmitgliedern rationale Aufgabenträger sieht, deren Handlungen nur durch formale organisatorische Regelungen bestimmt werden. Tatsächlich sind aber auch informale Erscheinungen (informale Gruppen, Kommunikation, Macht, Normen und Führung, sozialer Status, persönliche Beziehungen) für das Verhalten von und in Organisationen von erheblicher Bedeutung (Human Relations). Mit derartigen sozialen Phänomenen befasst sich die Organisationspsychologie. Zentrale Fragestellungen bilden das individuelle Verhalten in Organisationen, das Gruppenverhalten, das Führungsverhalten und seine Auswirkung auf Leistung und Zufriedenheit der Organisationsmitglieder, der Einfluss von Werten und Wertorientierungen auf organisatorisches Handeln (Organisationskultur), die organisatorische Gestaltung unter (sozial)psychologischen Gesichtspunkten (Organisationsentwicklung).
 
Eine eigenständige Organisationssoziologie bildete sich in dem Maße heraus, in dem die Organisation für den gesellschaftlichen Entwicklungsprozess und die gesellschaftliche Differenzierung an Bedeutung gewann und in dem Industrialisierung, Ausdehnung des politischen Feldes (Wahlrecht, Parteien, Partizipation) zunehmend das menschliche Zusammenleben beeinflussten. Voraussetzung war, dass die auf die Welt als Kosmos und Ordnung bezogene Gesamtvorstellung (»göttliche Ordnung«, »Heilsplan«) relativiert wurde. Zugleich entstanden Formen überpersonaler, kollektiver Abhängigkeiten und Handlungsräume (Bürokratie, Verwaltung, Bildungssystem, Fabrik, Stadt), sodass der mit dem Begriff der Organisation angesprochene überindividuelle, aber gleichwohl menschlich, also nicht transzendent, begründete Handlungszusammenhang zum zentralen Faktor und zum Feld sozialen Zusammenlebens und politischer Konfliktaustragung wurde. Soziologisch umfasst Organisation im weiteren Sinn alle Institutionen, Gruppen und sozialen Gebilde, die bewusst auf ein Ziel hinarbeiten, geplant arbeitsteilig gegliedert sind und ihre Aktivität auf Dauer eingerichtet haben. Die ältere Organisationssoziologie war stärker an der Betrachtung statischer Gebilde, also der in einer Gesellschaft existierenden Verbände (Militär, Parteien, Verbände, Betriebe, religiöse Gemeinschaften), interessiert, wohingegen die neuere Organisationsoziologie sich zur Theorie sozialer Systeme fortentwickelte und kybernetische und systemtheoretische Erkenntnisse einbezog. In den Vordergrund rückte die Analyse des Prozesshaften und des Dynamischen, sodass nun weniger die Binnenstrukturen der Organisation allein (Autorität, Hierarchie, Funktionsverteilung, Effektivität, Verfahrensabläufe) als vielmehr auch die System-Umwelt-Beziehungen (Input-Output, Selektivität, Reduktion der Komplexität) im Zentrum der Betrachtungen stehen.
 
 
R. Mayntz: Soziologie der O. 49.-53. Tsd. 1977);
 A. Etzioni: Soziologie der O. (a. d. Amerikan., 51978);
 E. Grochla: Einf. in die O.-Theorie (1978);
 
Zukunftsperspektiven der O., hg. v. K. Bleicher u. a. (Bern 1990);
 
International vergleichende O.-Forschung. Fragestellungen, Methoden u. Ergebnisse ausgew. Unterss., hg. v. M. Heidenreich u. Gert Schmidt (1991);
 Friedrich Meyer u. U. Stopp: Betriebl. O.-Lehre. Unternehmensaufbau - Arbeitsablauf (121991);
 
Hwb. der O., hg. v. E. Freese (31992);
 L. von Rosenstiel: Grundlagen der O.-Psychologie (31992);
 W. Hill u. a.: O.-Lehre, 2 Bde. (Bern 4-51992-94);
 H. Laux u. F. Liermann: Grundlagen der O. (31993);
 H. Laux: Erfolgssteuerung u. O., auf 2 Bde. ber. (1995 ff.);
 
O.-Theorien, hg. v. A. Kieser (21995);
 Götz Schmidt: Grundlagen der Aufbau-O. (31995);
 R. Bühner: Betriebswirtschaftl. O.-Lehre (81996);
 D. Gebert u. L. von Rosenstiel: O.-Psychologie. Person u. O. (41996);
 
Neue O.-Formen im Unternehmen. Ein Hb. für das moderne Management, hg. v. H.-J. Bullinger u. H.-J. Warnecke (1996);
 G. Schreyögg: O. Grundlagen moderner O.-Gestaltung (1996);
 G. Büschges u. M. Abraham: Einf. in die O.-Soziologie (21997);
 A. Picot u. a.: O. Eine ökonom. Perspektive (1997).
 
Zeitschrift: Ztschr. Führung u. O. (1927 ff.; bis 1981 u. d. T. Ztschr. für O.).

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Or|ga|ni|sa|ti|on, die; -, -en [frz. organisation, zu: organiser, ↑organisieren]: 1. <o. Pl.> das Organisieren (1): eine gute, reibungslose O.; ihr oblag die O. der Veranstaltung; Überall, wo Menschen wie Heringe zusammengepfercht werden, ist O. unerlässlich (Kirst, 08/15, 903); Weil sich die Bischöfe der Reformation versagten, vertraut er die O. der Kirche der weltlichen Obrigkeit an (Fraenkel, Staat 153); das ist alles nur eine Frage der O. 2. <o. Pl.> der Funktionstüchtigkeit einer Institution o. Ä. dienende [planmäßige] Zusammensetzung, Struktur, Beschaffenheit: die O. der Gemeinden, der Polizei; der Konzern erhält eine neue O. 3. a) das [Sich]zusammenschließen zur Durchsetzung bestimmter Interessen, Zielsetzungen: die O. der Arbeiter; durch die O. weiter Bevölkerungsschichten konnte der Bau des Kernkraftwerks verhindert werden; b) einheitlich aufgebauter Verband, Zusammenschluss von Menschen zur Durchsetzung bestimmter Interessen, Zielsetzungen o. Ä.: eine politische, illegale, internationale, revolutionäre O.; Nach Lenins Tod ... wuchs die O. zwar zahlenmäßig schnell ... (Leonhard, Revolution 55); eine O. gründen, aufbauen, verbieten; Es gibt heute in und um Bonn etwa 400 Büros verschiedener -en und Interessengruppen (Dönhoff, Ära 35); Auch in der Gegenwart wird in der Sowjetunion das Entstehen eigenständiger jüdischer -en unterdrückt (Fraenkel, Staat 143); sich in einer O. zusammenschließen. 4. (Med.) selbsttätige Umwandlung abgestorbenen Körpergewebes in gesundes Gewebe.

Universal-Lexikon. 2012.

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